Die Freie Form

Farben mischen sich, gehen ineinander über. Gehen in die Objekte.

Objekte gehen ineinander über. Verschwinden in der Farbe.

Etwas was wir noch nicht kennen, entsteht.

Eine Freie Form – entstanden – durch Licht – Form.

Walter Gropius schreibt im Bauhaus-Manifest von 1919, es solle die Barriere zwischen Künstlern und Handwerkern durchbrochen werden. Sie sollen sich vereinigen. Die Architektur wird als Gesamtkunstwerk in all seinen Bereichen, in der Aussen- wie Innenarchitektur so wie der Einrichtung betrachtet. In der 1919 gegründeten Bauhaus-Schule an der Architekten, Bildhauer und Maler in die Lehre gingen, wurden neben Stühlen und Lampen unter anderem auch Tapeten entworfen. Ich habe mittels gegenstandsloser Fotografie eine Tapete basierend auf der Gestaltungslehre der Bauhausschule entwickelt. Dazu habe ich mich mit einem Lehrenden, László Moholy-Nagy, der Bauhaus Schule auseinandergesetzt. Aspekte die ich aus seinem Bauhausbuch „Malerei Fotografie Film“ übernahm, sind unter anderem eine bedachte Anwendung gestalterischer Mittel (Formen, Farbklänge, Licht, Kinetik, Physiologie) und gegebenes neu zu denken. Die Freie Form sind Fotografien die durch ein Zusammenspiel von Form, Fläche und Farbe Komplexe entstehen lassen. In Kompositionen erzeugen Objekte wie Pappe, Holz, Papierwürfel, Blechdeckel verwobene und ineinander greifende Gebilde. Konstellationen der Objekte suggerieren Bewegung wie auch Richtung. Verschiedene Mittel der Raumdarstellung treffen aufeinander. Verschachtelung und Transparenz geben den Raum Tiefe und eröffnen eine räumliche Dimension, die über die zweidimensionale Fläche hinausgeht. Widersprüchlichkeiten entstehen, da mehrere verschiedene Perspektiven aufeinandertreffen. Gleiches gilt für widersinnigen Lichteinfall auf Objekte, bei dem unterschiedliche Licht- und Schattenzonen im Zusammenspiel nicht der Realität entsprechen. Es geht nicht um das Erkennen von etwas Spezifischem oder Gegenständlichem. Nicht alles findet Worte. Der Betrachter reflektiert sich, erlebt die Bilder als wirr oder geordnet. Die Fotografien lassen dem Betrachter Raum, ein Bild kann daher Wohlempfinden erzeugen, so dass die Objekte im Einklang, vielleicht sogar im Vollkommenen, zueinanderstehen oder aber der Betrachter empfindet Abneigung, da ihm die Objekte als viele Zufälligkeiten erscheinen und für ihn Chaos erzeugen. Ein unbewusster Prozess eines Formdeutungsversuchs vollführt sich selbstständig.